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Rundwanderung: Sayda - Hexenberg - Mortelgrund - Schwemmteiche - Kleines Vorwerk - Sayda

Diese naturkundliche Rundwanderung wurde von Toralf Richter für das Projekt www.ulliuhu.de der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. entwickelt. Sie kann auch im Mortelgrund an der Mortelmühle begonnen und beendet werden.

Die kleine Bergstadt Sayda bietet viele Wandermöglichkeiten. Wenn ihr mit dem Bus nach  Sayda kommt, dann steigt am besten am Markt aus. Dort gibt es im Fremdenverkehrsamt viele Tipps und Tourenvorschläge. Eine sehr schöne Tour führt von Sayda über den Hexenberg in den Mortelgrund zur Mortelmühle und von dort an den Schwemmteichen und am Kleinen Vorwerk vorbei, zurück nach Sayda.

Diese Wandertour ist knapp 10 Km lang, und da es unterwegs viel zu entdecken gibt, solltet Ihr für diese Runde am besten einen ganzen Tag einplanen.

Als erstes lohnt sich eine Besteigung des Kirchturmes. Wichtig ist dabei, dass Ihr Euch vorher im Pfarramt anmeldet, am besten telefonisch ein paar Tage vorher. Vom Kirchturm habt Ihr einen tollen Rundblick über das Saydaer Bergland und zum Erzgebirgskamm, von hier aus seht Ihr auch schon den Hexenberg, wo es als nächstes hingeht.

Vom Markt aus geht Ihr einfach die Hauptstraße bergan. Am Roßplatz biegt Ihr am Feuerwehrmuseum rechts ab und folgt jetzt der Alten Heidersdorfer Straße, auch Pfarrgutstraße genannt. Nach etwa dreihundert Metern lauft Ihr zwischen großen Scheunen entlang und seht gerade aus schon den Hexenberg. Diese Scheunen waren einst für Sayda wichtig. Hier lagerten die Saydaer Bürger, die meistens auch Bauern (und zwar "Stadtbauern") waren, ihre Vorräte für den Winter und die neue Saison. Heute gibt es in Sayda fast keine Bauern mehr. Die Scheunen werden deshalb inzwischen von den meisten Eigentümern als Garagen genutzt.

Wenn Ihr jetzt, auf dem Weg zum Hexenberg, die letzten Häuser von Sayda hinter Euch  lasst, pfeift Euch oft ein scharfer Wind im die Nase. Das liegt auch daran, dass es hier nur noch freies Feld gibt, auf dem die Agrargenossenschaft mit großen Maschinen arbeitet. Vor 50 Jahren sah es hier noch anders aus. Hoch zum Hexenberg gab es viele schmale Feldstreifen, abgegrenzt mit Steinrücken und Hecken. Diese Hecken verhinderten vor 50 Jahren jedoch den Einsatz von großen Maschinen auf den Feldern, außerdem sollten die Felder der einzelnen Bauern zusammengelegt werden und die Bauern sollten in sogenannten LPG-en (landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften) ihre Felder gemeinsam bewirtschaften, damit es allen besser geht. Tatsächlich wird heute auf den Feldern günstiger gearbeitet, der Ertrag ist höher und für die Bauern wurde die Arbeit viel leichter.

Leider verschwanden mit den Hecken aber auch viele Tiere und Pflanzen für immer und unsere Landschaft wurde eintöniger.

Inzwischen wurde jedoch wieder eine Hecke mit typischen Pflanzen unserer Heimat, hoch zum Hexenberg, angelegt. An ihren leuchtend roten Früchten sind dort im Herbst die  Wildrosen (Hagebutten) sowie die Weißdorn- und Schneeballsträucher zu erkennen. Im Sommer findet ihr leckere Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren. Auch viele Salweiden, Vogelkirschen, Schlehen und eine Menge anderer Sträucher wurden  gepflanzt. Schlehen sind ziemlich kleine wilde Pflaumen. Die schmecken erst einmal sehr sauer. Aber es lässt sich sehr gute Marmelade aus ihnen herstellen.  Um zum Hexenberg hoch zu kommen, folgt ihr noch ungefähr dreihundert Meter der Straße und biegt dann links ab. Der Weg ist ausgeschildert, ihr könnt ihn nicht verfehlen.

Oben angekommen habt ihr einen schönen Blick auf die alte Bergstadt Sayda. Heute ist sie nur noch ein kleiner, idyllischer Ort im Erzgebirge. Vor 700 Jahren war sie, für damalige Verhältnisse, eine europäische Großstadt. Das lag an dem Böhmischen Steig, der „Alten Salzstraße“, die direkt durch Sayda führte und auf der viele Händler mit ihren Pferdewagen von der Nordsee über Halle und Leipzig bis nach Prag, Wien und Venedig fuhren. Sayda war ein wichtiger Handelsplatz und hatte damals ungefähr 3000 Einwohner,  Dresden hatte damals auch nicht mehr!

In südlicher Richtung geht es jetzt wieder bergab. Unten am Waldrand angekommen, biegt Ihr links ab, bis Ihr nach knapp 400 Metern an eine Wegkreuzung kommt. Links geht es nach Sayda zurück, geradeaus geht es zum Kleinen Vorwerk. Ihr biegt jetzt rechts, in Richtung Mortelgrund ab. Nach einigen hundert Metern seht Ihr rechts am Wegesrand einen kleinen Fischteich. Hier  beginnt der Weg leicht bergan zu steigen. Jetzt müsst Ihr aufpassen, damit Ihr nicht zu weit lauft. Nach der Rechtskurve müsst Ihr links in einen kleinen Pfad abbiegen. Hier steht auch ein Wegweiser „Zur Jugendherberge“. Folgt dem Pfad ungefähr 200 Meter. Jetzt zweigt wieder ein schmaler Weg nach links ab. Im Sommer ist dieser Weg meistens zugewachsen und deshalb schwer zu erkennen. (Wenn Ihr diesen Abzweig verpasst, kommt Ihr nach weiteren 300 Metern an den Mortelgrunder Skihang. Den müsst Ihr dann bergab laufen, um zur Mortelmühle zu kommen.)

Dieser schmale Weg führt Euch zur alten Mortelgrunder Fischhalterei, auch Engelhards Fischzucht genannt. Vielleicht trefft Ihr den Eigentümer an seinen Fischteichen. Lasst Euch doch einfach mal erzählen, wie vor hundert Jahren Fische gezüchtet wurden. Diese Fischhalterei sieht heute nämlich noch fast so aus wie damals, und der jetzige Eigentümer kennt die alten Geschichten. Wenn Ihr im Herbst kommt und viel Glück habt, werden vielleicht gerade Fische geräuchert und Ihr könnt für Euer Abendessen welche mitnehmen. Kommen wir im Spätsommer hier vorbei, fallen uns (wie auch schon vorhin an dem anderen Teich) die stacheligen, kugelförmigen Samen des Igelkolbens auf. Das ist eine Röhrichtpflanze, die  im Gebiet recht oft vorkommt. Weitere häufige Uferpflanzen sind verschiedene Seggen (dicht wachsende hohe Sauergräser), Rohrkolben und die Flatterbinse. Direkt im Wasser sind Schwimmendes Laichkraut (vor allem im Teich nördlich der Fischzuchtanlage), Wasserstern, und die winzig kleine Wasserlinse zu finden.

An der Fischzucht folgt Ihr weiter dem Pfad (nicht zur Straße hoch) sondern rechts weiter ins Tal. Auf der linken Seite des Tales könnt Ihr jetzt schon die Mortelmühle sehen. Davor breitet sich eine Wiese aus. Nachdem diese Wiese viele Jahre nicht mehr genutzt wurde, mäht sie nun der Heimatverein Mortelgrund wieder einmal im Jahr. Das Heu wird zum Füttern der Schafe der Mortelmühle gebraucht. Auf dieser Wiese blühen seitdem auch wieder einige Orchideen (die Breitblättrige Kuckucksblume) und wenige Arnikapflanzen. Wie auf allen Wiesen des Gebietes finden wir hier sowohl Nasswiesenpflanzen wie das weiß blühende Mädesüß, das kleine Hundsstraußgras, die Rasenschmiele mit ihren harten, grün-weiß-gestreiften Blättern, verschiedene Binsen, Sumpfvergissmeinnicht, Wollgras und Sumpfkratzdisteln. Aber auch Pflanzen, die für Bergwiesen typisch sind, kommen hier vor. Oft wachsen sie nahe beieinander. Laufe hier nicht quer über die Wiesen. Bleibt bitte unbedingt auf dem Weg, damit diese inzwischen seltenen Pflanzen wieder wachsen können. Im Juli und August werden übrigens immer Helfer bei der Heuernte gesucht. Auch als Schulklasse könnt ihr dabei mithelfen. Übernachtungen sind in der Mortelgrunder Jugendherberge möglich. Fragt in der Mortelmühle doch einmal nach, wie ihr mithelfen könnt, die Schätze unserer Natur zu erhalten. Hier gibt es auch die Lösung des Uhu-Spiels; also gut aufpassen!

An der Mortelmühle lohnt sich jetzt eine kleine Rast, bevor es wieder bergan zu den Schwemmteichen und zurück nach Sayda geht.

Hinter der Mortelmühle führt euch der Weg durch das Tal des Mortelbaches. Hier findet ihr mehrere Bergwiesen. Strengt mal eure Nase an! Könnt ihr das würzige Köppernickel, die Auswärtigen sagen dazu auch Bärwurz, riechen? Dieses Kraut wächst nur noch auf wenigen Wiesen im Erzgebirge. Früher, vor hundert Jahren, wurde das Heu unserer Gebirgswiesen in die größeren Städte gefahren. Für die Pferde der städtischen Fuhrleute war unser duftendes Gebirgsheu eine Delikatesse. Weitere häufige Pflanzen dieser Wiesen sind die Alantdistel (hier wegen ihrer lila gefärbten, typisch geformten Blüten auch „Pinsel“ genannt), gelb blühende Blumen wie Pippau, Johanniskraut und Blutwurz, außerdem Wiesenknöterich und Bergplatterbse mit rosa Blüten, weiße Margeriten, blau oder violett gefärbte Glockenblumen und viele andere Arten. Zu den weniger auffälligen Pflanzen gehören zum Beispiel Spitzwegerich, Sauerampfer, ganz verschiedene Gräser und zahlreiche Moosarten. An Stellen, die besonders feucht sind, ist wiederum das Mädesüß sehr häufig. Es kommen aber auch seltene Pflanzen wie die Bachnelkenwurz mit ihren rotbraunen Blüten vor.

Übrigens haben inzwischen die Feinschmecker in den guten Restaurants mitbekommen, dass Lamm, welches nur mit Gebirgsheu gefüttert wird (so wie die Schafe an der Mortelmühle!), besonders lecker schmeckt. Auch Pilzgerichte kannst Du mit Bärwurz von den Erzgebirgswiesen würzen.

Nach einem Kilometer kommt ihr zu den Schwemmteichen. Auf deren  Wasserflächen finden wir wiederum das Laichkraut. Am Ufer und auf den angrenzenden Sumpfflächen wachsen viele Pflanzen, die für Sumpf- und teilweise auch für Moorgebiete typisch sind. So kommen hier verschiedene Torfmoose, das Sumpfblutauge (dunkelrote Blüten), das Sumpfveilchen (hellblau), Wollgras (leuchtend weiss), Gilbweiderich (gelb), das zuvor schon an vielen Stellen gesehene weiß blühende Mädesüß  sowie viele verschiedene Gräser und Binsen vor.

An den Schwemmteichen trefft ihr auf die „Alte Salzstraße“, die Sayda im späten Mittelalter zur Großstadt gemacht hat. Nach links geht’s jetzt zurück nach Sayda. (Wenn ihr noch ganz viele Zeit habt, könnt ihr auch nach rechts wandern. Ihr kommt nach einigen Kilometern nach Neuhausen, zur Burg Purschenstein. Am Fuße dieser Burg gibt es mehrere Museen, zum Beispiel das Glashüttenmuseum, ein Stuhlmuseum und ein Nussknackermuseum in dem übrigens der weltgrößte Nussknacker und die größte Spieldose der Welt zu besichtigen sind.

Wenn ihr einen kleineren Umweg von etwa einer Stunde unternehmen wollt, lohnt sich der Besuch des Großen Vorwerks. Folgt dem Weg in Richtung Neuhausen, biegt nach ungefähr 400 Metern nach links ab. Direkt an der Verbindungsstraße, die Sayda mit Neuhausen verbindet, befindet sich das Große Vorwerk. Fragt doch einfach mal die Eigentümer nach der Geschichte dieses großen, ehemals herrschaftlichen Gutes und lasst euch die Tiere im Stall zeigen. Vielleicht dürft ihr sogar einmal auf den Pferden, die es hier gibt, reiten.)

Auf dem Weg zurück nach Sayda kommt Ihr nach einem weiteren Kilometer ans „Kleine Vorwerk“. Jetzt ist dieses Kleine Vorwerk ein Gasthof. Hier wurden mit Unterstützung des Heimatvereins Mortelgrund mehrere alte Haustierrassen wieder angesiedelt. Dieses Vorwerk, ein alter herrschaftlicher Bauernhof, stand lange Zeit leer und verfiel. Jetzt ist hier wieder Leben eingezogen. Schaut euch mal die Vorwerkhühner an und lasst Euch die Erzgebirgsziegen zeigen. Oder erkennt ihr sie selbst? Interessant ist aber auch ein Blick auf die Wiesen am Kleinen Vorwerk. Da sie nie stark gedüngt wurden, konnten sich hier ganz besondere Pflanzengemeinschaften erhalten.  Das niedrige Borstgras kommt hier noch in großer Menge vor. Dazwischen wachsen viele bunte Blumen und weitere Pflanzen, die den Tieren ein besonders gesundes und würziges Futter liefern.

Vom Kleinen Vorwerk führt der Weg, der Mühlholzweg, gerade weiter nach Sayda. Links vom Weg seht ihr nicht nur Fichten, sondern auch immer mehr Buchen. Seit einigen Jahren wurde hier mit einem Waldumbau begonnen. Das Ziel ist es, wieder einen erzgebirgstypischen Mischwald zu schaffen. Wenn ihr einmal genau darauf achtet, werdet ihr sehen, dass in einem Mischwald nicht nur mehr Baumarten, sondern auch viel mehr verschiedene Bodenpflanzen vorkommen.  Das konnten wir bei unserer Wanderung auch schon im Wald zwischen der Mortelmühle und den Schwemmteichen sehen. Während im Fichtenforst nur einige Gräser wie Drahtschmiele und Reitgras sowie Heidelbeeren und  wenige weitere Pflanzen wachsen, finden wir bei den Laubbäumen in der Nähe des Baches  beispielsweise auch Sauerklee, Frauenfarn sowie deutlich mehr Moosarten.

Wenn ihr jetzt nach Sayda zurückkommt, geht es erst noch etwas bergauf. Oben auf der Höhe befindet sich links, direkt an der Straße das „Spittel“, das ehemalige Hospital und jetzige Heimatmuseum. Da es jetzt vermutlich schon spät am Nachmittag ist, werdet Ihr einen Besuch nicht mehr schaffen. Wenn ihr das nächste Mal nach Sayda kommt, solltet Ihr am besten mit einem Besuch im Heimatmuseum die Wanderung beginnen. Für Groß und Klein ist ein Besuch immer wieder interessant.

Folgt jetzt einfach weiter der Straße, bergab bis zum Markt. Damit seit ihr an den Ausgangspunkt Eurer Wanderung zurückgekehrt. Knapp 10 Kilometer habt ihr heute zurückgelegt. Das war eine tolle Leistung.

Übrigens, wie hieß noch mal dieses würzige grüne Kraut, welches auf den Bergwiesen im Mortelgrund wächst?